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Eine Ahnung von Weihnachten

Dieses Ereignis würde die Welt verändern. So viel hatten die drei Weisen aus der Ferne mitbekommen. Ein König, der Frieden bringt. Ihre Ahnung von Weihnachten brachte die Weisen auf den Weg. Und wo vermutet man einen neuen König? Im Palast oder einem Schloß selbstverständlich. Und so gingen die drei Weisen zuerst dorthin, zum Palast in Jerusalem. 

Als sie dort den König Herodes nach dem neugeborenen König fragten, wusste der von nichts. Er hatte keine Ahnung! Er hätte etwas wissen können, wenn er den Menschen in seinem Land zugehört hätte. Hätte er zugehört, hätte er ihre Sehnsüchte gekannt. Ihre Sehnsucht nach dem Ende von Gewaltherrschaft. Ihre Sehnsucht, dass Armut aufhört und jede und jeder gut von der eigenen Arbeit leben kann. Er hätte in den alten Schriften der hebräischen Bibel lesen können, dass es diese Sehnsucht schon lange gibt – und die Menschen auf einen Retter, einen Heiland hoffen, der diese Sehnsucht Wirklichkeit werden lässt. Aber Herodes hatte das nicht gelesen und er hatte den Menschen nicht zugehört. In seinem Kopf drehte sich alles nur um ihn selbst und seine Macht. Er war nur in sich selbst verliebt. Solche Menschen haben keine Ahnung von Weihnachten.

Die Weisen hatten eine Ahnung von Weihnachten. Deshalb folgten sie dem Stern weiter und kamen zur Krippe mit dem Kind. 

Die Weisen sahen ein Ereignis voraus, das die Welt verändert. Gott wird Mensch in einem Kind. Ein König, der keinem Menschen Gewalt antut. Das war ihre Ahnung.

Da waren die Engel. Sie wussten, dass Gott selbst da ist in diesem Stall. Sie sangen und verbreiteten so die Ahnung von Weihnachten unter den Menschen. 

Das waren die Hirten. Sie hörten die Engel singen. Sie hörten, dass der langersehnte Retter jetzt da ist. Sie hörten eine frohe Botschaft und hatten plötzlich etwas zu sagen. Und sie begannen ihre Ahnung von Weihnachten weiterzuerzählen.

Da war Maria. Seit sie schwanger war, wusste sie, das etwas ungewöhnliches vorgeht. „Jetzt fegt Gott die hochmütigen vom Thron und die Unterdrückten richtet er auf.“ Das hatte sie gesungen. Mit der Geburt ihre Kindes kommt Gott als Mensch in diese Welt. Ihre Ahnung von Weihnachten.

Und da war Josef. Nur ein Statist ohne tragende Rolle? Eigentlich ist er mein größter Weihnachtsheld. Aus seiner Sicht waren die Umstände dieser Geburt etwas unübersichtlich.. Jedenfalls nicht so, wie er sich das vorgestellt hatte, als er mit Maria zusammenkam. Wer war jetzt der „richtige“ Vater. Gott – oder doch ein anderer? Und dann diese provisorische Herberge. Möfelnder Mist, zugig und kalt. Rosen für Maria hatte er auch nicht. Alles unübersichtlich, unordentlich bei dieser Geburt … Und trotzdem muffelt er nicht herum und er haut auch nicht einfach ab. Er ist dem Jesuskind ein fürsorglicher Vater. Später wird er ihm sogar das Zimmermannshandwerk beibringen. Daran erkennt man, dass Menschen eine Ahnung von Weihnachten haben: Auch wenn die Umstände unübersichtlich sind, sehen sie was andere brauchen und sorgen für sie.

Aus der Sicht von Josef war das erste Weihnachten ein eher unordentliches Fest. Vielleicht ahnte er: Wenn etwas neu wird, schöner und besser, dann ist vorher etwas – oder etwas viel – Unordnung. Das war seine Ahnung von Weihnachten.

Es gibt Menschen, die haben keine Ahnung von Weihnachten. Es gibt Menschen, die haben Ahnung von Weihnachten. Und es gibt Menschen, denen wünsche ich eine Ahnung von Weihnachten. Die auf der Flucht sind und nur provisorische Herberge haben. Die, die in diesem Jahr liebe Menschen verloren haben und Einsamkeit spüren. Die, die infiziert und jetzt isoliert sind. Und dann sind da auch die, die Angst haben vor dem Virus. Und die, die Angst haben vor der Impfung und sie ablehnen. Da ist so viel Angst – dass die Menschen heftig miteinander streiten – oder gar nicht mehr miteinander reden. Sie denken aus Angst nur noch an sich und hören nicht mehr, was die anderen sagen. Auch sie brauchen dringend eine Ahnung von Weihnachten. 

Auch wir brauchen diese Ahnung von Weihnachten. Deshalb schauen wir noch einmal auf die Engel, auf die Hirten, auf Maria, auf Josef, auf die Weisen, auf das Kind in der Krippe – und auf die Tiere, die vielleicht auch eine Ahnung von Weihnachten haben:

Gott wird Mensch in einem Kind. Das ist der Grund für unsere Hoffnung auf Frieden und unsere Sehnsucht nach Liebe und einem guten Leben. Diese Sehnsucht und diese Hoffnung teilen wir mit vielen vielen Menschen auf der ganzen Welt!

Und wenn an diesen Weihnachtstagen mal etwas unordentlich ist: 

Etwas ist nicht an seinem Platz.
Jemand sitzt auf dem falschen Stuhl.
Das perfekte Dinner misslingt.
Jemand sagt etwas, das nervt.

Regt euch nicht auf. Etwas Unordnung gehört zu Weihnachten. So ist das, wenn die Welt neu wird. Bleibt einander wohlgesonnen und fürsorglich. Und bewahrt euch eure Ahnung von Weihnachten. Sie verbindet uns mit vielen Menschen in der ganzen Welt. Diese Ahnung von Weihnachten begleite euch durch das ganze nächste Jahr. Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft,
bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus!
Amen!