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Gudrun Seime

Geboren wurde ich im April 1953 in dem sehr kleinen Dorf Enkesen. Das gehört heute zu Soest.  Ich bin das vierte Kind der Familie Seime, eine Schwester folgte zwei Jahre später. Wir sind zwei Brüder und drei Schwestern.

Ich ging im Nachbarort Schwefe zur Schule - dazu musste ich Fahrrad fahren können. Eine Zwergschule mit acht Jahrgängen in drei Klassenzimmern. 1965 wechselte ich nach Soest zur Realschule. Ein Kulturschock: von der beschaulichen kleinen Dorfschule mit wenigen Kindern in eine Klasse mit 49 Mädchen. Die Volksschule in Schwefe hatte alle Jahrgänge zusammengnommen nicht so viele Schülerinnen und Schüler. 1965 zog die Familie  in ein neu gebautes Siedlungshaus in Soest um.

Mein Berufswunsch, Erzieherin zu werden, hatte ich schon früh und er war  beständig. So besuchte ich nach der Mittleren Reife die Frauenfachschule. Mit 17 Jahren begann ich die Erzieherinnenausbildung in Hamm . 

Danach begann mein Berufsleben: 
Das Berufspraktikum absolvierte ich als Gruppenleiterin in einem Soester Kindergarten, 1973 zog ich der Liebe wegen nach Münster. Wieder ein Kulturschock: von der bürgerlichen Kleinstadt Soest in die pulsierende Studentenstadt. Die politische 68er-Bewegung war im vollen Gange, Hausbesetzung der Frauenstraße 24 – und ich war dabei! 

Nach einem Zwischenstopp in einer Eltern-Kind-Gruppe, war ich fast 16 Jahre im Ev. Kindergarten Gievenbeck als Leiterin tätig. Herausforderungen mochte ich schon immer! Deshalb beteiligte sich unsere Kita an einem bundesweiten Erprobungsprogramm, das neue pädagogische und wissenschaftliche Erkenntnisse – an der Situation des Kindes orientierte Pädagogik – in den Fokus stellte und unsere Pädagogik „revolutionierte“.

In diesen Jahren heiratete ich, bekam drei Kinder – Knut und die Zwillinge Ole und Lene. Vereinbarkeit von Beruf und Familie bildete danach für mich die tägliche Herausforderung!

1990 wechselte ich als Fachberaterin für Kindertageseinrichtungen in den Ev. Kirchenkreis Recklinghausen. Dort baute ich diesen „Dienst“ auf. Eigene Qualifizierungen halfen, die stetige Weiterentwicklung der Frühpädagogik und die geänderten gesetzlichen Vorgaben in den Kitas zu verankern und die Kirchengemeinden als Träger der Kitas auf dem Laufenden zu halten.

Schwerpunkte in diesen Jahren waren: 

  • Auseinandersetzung der pädagogischen Fachkräfte mit der eigenen Rolle, um dem Kind und den Eltern angemessen begegnen zu können
  • Sexualpädagogische Begleitung der Kinder
  • Geschlechts bewusste Pädagogik, Jungen sind anders, Mädchen auch
  • Qualitätsmanagement
  • Sprachbildung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Jugendinstitut
  • Generationsübergreifendes Singen – Seniorinnen und Senioren singen mit Kinder altbekannte Lieder Canto elementar.

Um den vielfältigen beruflichen Herausforderungen kompetent begegnen zu können – und weil ich Herausforderungen suche! - bildete ich mich in Gruppendynamik (ags Münster) weiter. Der Reiz war groß und ich absolvierte eine mehrjährige gruppendynamiche, psychoanalytische Supervisions-Ausbildung (fis Münster), die ich 2002 mit einem Diplom beendete. Seit dieser Zeit bin ich als Supervisorin (DGSv)  in unterschiedlichen Berufsfelder nebenberuflich aktiv, seit 2005 auch als Supervisorin der Evangelischen Kirche von Westfalen

Nachdem meine Kinder alle in eigenen Wohnungen lebten, heiratete ich 2004 meinen lieben Dieter Rothardt und zog mit ihm nach Recklinghausen. Wieder ein neuer Lebensabschnitt – jetzt im Alltag wieder zu zweit. An den Wochenenden genossen wir häufig die Ruhe und das ländliche Leben in Twiehausen.

Beruflich stellte ich mich wieder einer Herausforderung:
Mit der Gesetzesänderung für die Kitas (KiBiz, Kinder-Bildungs-Gesetz) wurde im Kirchenkreis eine gemeinsame Trägerschaft der Kitas auf Kirchenkreisebene angestrebt. Die Geschäftsführung wurde mir übertragen. Die Zusammenarbeit mit fünf eigenständigen Jugendämtern forderte stets Diplomatie und Verhandlungsgeschick. Die Personalverantwortung, Personalentwicklung, Budgetverantwortung und vieles mehr machten meinen Berufstätigkeit erneut attraktiv.
 
In den folgenden Jahren qualifizierten sich Kitas zu Familienzentren und Sprach-Kitas. Alle zum Verbund gehörigen Kitas wurden baulich erweitert, um Kinder von einem Jahr bis zum Eintritt in die Schule ganztags betreuen zu können. Eine neue fünfgruppige Kita kam 2017 in die Trägerschaft des Kirchenkreises.
Mit diesem Projekt verabschiedete ich mich nach 45 Jahren aus meinem aktiven Berufsleben. Ich habe immer gern gearbeitet, aber freute mich auch auf den Ruhestand.

Ich zog wieder aufs Land nach Twiehausen – zu meinem Mann, er hatte einen kleine Vorsprung - in sein altes Haus. Hier lebe ich gern und bin in der Dorfgemeinschaft gut aufgenommen worden. Eine Ausbildung in Naturschutz (Kreisjägerschaft Minden-Lübbecke) hat mein Wissen erweitert. Jetzt weiß ich auch, wer hier noch wie lebt – Wildschwein, Reh, Fuchs, Marder, Bussarde u.a. und was hier so wächst, außer Buchen und Eichen.
Unser großer Garten lässt keine Langeweile aufkommen. Ich lese gern, im Schatten unter einem Apfelbaum oder am Ofenfeuer. Nähen und Stricken ist ein weiterer Zeitvertreib. Lecker Essen und Kochen ebenso. Mit Fahrradfahren, wandern, walken und Sport in einer Frauengruppe halte ich mich fit. Alles was mir Spaß und Freude macht ist mir wichtig, Eile und Hektik hatte ich genug!

Besuche bei den Kindern und unseren drei Enkelkinder Karl, Cuno und Martha machen mich glücklich. So kann das Leben, so Gott will, noch einige Jahre weiter gehen.